Wenn die Akkulaufzeit alles überstrahlt

Wenn die Akkulaufzeit alles überstrahlt

Honor hat sich für die Watch 6 eine simple Verkaufsstrategie zurechtgelegt: Statt mit einem Dauerfeuer aus Funktionen zu werben, rückt der Hersteller neben der Leistung eine einzige Zahl in den Mittelpunkt: 35 Tage Akkulaufzeit. Das klingt nach einer Ansage in einer Branche, in der viele Konkurrenten spätestens nach ein bis drei Tagen wieder ans Kabel müssen. Ehe wir uns der Akkulaufzeit zuwenden, schauen wir aber auf das, was bei einer Armbanduhr wohl mindestens genauso wichtig ist: Design und Display.

Design und Verarbeitung: unauffällig solide

Optisch bleibt Honor auf sicherem Terrain. Das runde Gehäuse misst 46,5 Millimeter im Durchmesser und trägt mit 10,8 Millimetern Höhe nicht unangenehm dick auf. Je nach Ausführung sitzt entweder – wie bei unserem Testgerät – ein Edelstahlrahmen oder ein leichterer Aluminiumrahmen um den Bildschirm. Entsprechend liegt das Gewicht ohne Armband bei 50 oder 41 Gramm. Mit braunem Lederarmband sind wir bei der Edelstahl-Variante auf 63 Gramm gekommen. Am Handgelenk fällt die Uhr trotzdem überraschend wenig ins Gewicht. Auch über eine komplette Nacht mit Schlaftracking stört sie nicht.

Seitenansicht der Honor Watch 6
Die Honor Watch 6 trägt am Handgelenk nicht zu dick auf. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Die Front schützt einfaches Glas, die Rückseite besteht aus verstärktem Kunststoff. Bei Wasser und Staub gibt sich die Watch 6 keine Blöße: 5 ATM plus IP69 bedeuten, dass Duschen, Schwimmen und Regen kein Thema sind. Das ist nicht bei allen Smartwatches Standard, hier aber sauber umgesetzt. Absolut premium oder eigenständig wirkt das Design allerdings nicht. Wer eine Uhr sucht, die auffällt, wird woanders besser fündig. Die Honor Watch 6 ist eher ein Zweckgerät, kein echtes Schmuckstück. Vielleicht ist es aber ja auch genau das, was du suchst.

Display: hell genug für draußen

Beim Bildschirm setzt Honor auf ein 1,46 Zoll großes AMOLED-Panel mit hybrider LTPS-Technik und einer Auflösung von 464 × 464 Pixeln. Das reicht für scharfe Zifferblätter und gut ablesbare Trainingswerte während eines Workouts. Auch die kräftigen Farben und die hohen Kontraste wissen zu gefallen. Je nach Umgebungslicht musst du aber mit Spiegelungen rechnen.

Positiv fällt zudem die Helligkeit auf: Auch bei direkter Sonne bleiben Uhrzeit und Menüs ablesbar, ohne dass man die Hand zum Schattenspender formen muss. Kein Wunder: 3.000 Nits Spitzenhelligkeit sind eine Ansage. Zum Vergleich: Die Honor Watch 5 kommt mit ihrem rechteckigen Bildschirm nur auf 1.000 Nits. Ein Helligkeitssensor sorgt dafür, dass sich die Displayhelligkeit immer am Umgebungslicht ausrichtet. Alternativ kannst du die Helligkeit auch manuell in fünf Stufen anpassen.

Wer das Always-on-Display dauerhaft aktiviert, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass die Akkulaufzeit sinkt. Dazu gleich mehr. Standardmäßig weckt eine Handgelenksdrehung oder ein Antippen den Bildschirm, was in der Praxis zuverlässig, aber nicht immer verzögerungsfrei funktionierte. Erfreulich: Auch unter der Dusche war es problemlos möglich, das Display der Uhr zu bedienen. Auch das schaffen manche andere Smartwatches nicht.

Menü der Honor Watch 6
So stellt sich das Hauptmenü der Honor Watch 6 mit den installierten Apps dar. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Wichtig zu verstehen ist zudem: Durch die Größe des Displays ist die Uhr eher nichts für schmale, kleine Handgelenke. Die Uhr ist vergleichsweise groß und das kann man mögen oder man tut es eben nicht.

Akku: der eine große Trumpf – mit Sternchen

Und was ist nun mit der Akkulaufzeit? Im Gehäuse steckt ein 980-mAh-Akku. Für eine Smartwatch dieser Größe ein üppiger Wert. Die viel zitierten 35 Tage gelten jedoch ausschließlich für den Stromsparmodus, in dem etliche Sensoren und Komfortfunktionen zurückgefahren werden. Realistischer ist die zweite Herstellerangabe: bis zu 17 Tage bei normaler Nutzung. Und selbst diese Zahl schmilzt spürbar, sobald du das Always-on-Display aktivierst, häufig mit GPS trainierst oder die Herzfrequenzmessung dauerhaft eng taktest.

Trotz dieser Einschränkung bleibt die Ausdauer der klare Pluspunkt. Zwei Wochen ohne Ladekabel sind ein Komfortgewinn, den man nach dem Umstieg von einer Uhr mit Tageszyklus kaum noch missen möchte. Für ausgedehnte Outdoor-Touren nennt Honor rund 42 Stunden mit durchgängigem GPS. Ein brauchbarer Wert für Wander- oder Radwochenenden. Geladen wird über eine magnetische Ladeschale. Von leer auf voll geht es in knapp zwei Stunden. Wenn du den Akkustand möglichst zwischen 10 und 80 Prozent hältst, wirst du von deutlich schnelleren Aufladungen profitieren. Kleiner Wermutstropfen: Geladen wird wie bei praktisch allen aktuellen Smartwatch-Modellen über einen proprietären Anschluss. Das zugehörige Kabel musst du also auf Reisen immer mitschleppen. Kabelloses Laden wird nicht unterstützt.

Software und Bedienung: Hier liegt die eigentliche Schwäche

Hinsichtlich der Software gilt: Auf der Watch 6 läuft Honors eigenes MagicOS. Das System ist flott und aufgeräumt, aber genau hier zeigt sich die größte Baustelle. Die App-Auswahl ist im Vergleich zu Wear-OS-Uhren dünn. An ein offenes Ökosystem mit frei nachladbaren Drittanbieter-Apps ist nicht zu denken. Wer über die vorinstallierten Gesundheits- und Sportfunktionen hinaus etwas Bestimmtes erwartet, sollte vorab genau prüfen, ob es das überhaupt gibt. Streng genommen müsste man die Frage stellen: Ist die Honor Watch 6 überhaupt eine vollwertige Smartwatch? Wir sagen mit Wohlwollen: Ja, aber eben eingeschränkt.

Auch die Bedienung selbst ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Menüführung und Gestensteuerung wirken an einigen Stellen unfertig, gelegentlich braucht es einen Tipp zu viel, um ans Ziel zu kommen. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber es fehlt der letzte Feinschliff, den man von etablierteren Plattformen kennt. An der rechten Seite steht neben einer druck- und drehbaren Krone (Drücken führt dich ins Hauptmenü) auch eine Menütaste zur Verfügung, die ab Werk den Trainingsmodus startet. Du kannst über die Einstellungen aber auch ganz andere Funktionen auf diese Taste legen. Etwa den Wecker, eine Stoppuhr oder die Telefoniefunktion.

Honor Watch 6 Seitenansicht.
Krone und Menütaste an der Seite der Honor Watch 6. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Leistung dieser Uhr sehr ordentlich ist. Ruckler bei der Nutzung haben wir nur ganz vereinzelt wahrgenommen. Wirklich störend waren sie nie. Die Smartphone-Kopplung läuft sowohl mit Android (mindestens Android 9.0) als auch mit iOS (mindestens iOS 15.1), wobei iPhone-Nutzer mit einem teils beschnittenen Funktionsumfang leben müssen. Im Test klappte etwa das Antworten auf eingehende Nachrichten nicht.

Fitness und Gesundheit: breit aufgestellt, aber ohne Spitzenfeatures

Sportlich deckt die Watch 6 mit über 120 Trainingsmodi so ziemlich alles ab, was man ihr zumuten möchte. Für die Messung sorgen optischer Herzfrequenzsensor, SpO2-Erfassung (Messung der Blutsauerstoffsättigung), Beschleunigungssensor, HRV-Auswertung (Herzfrequenzvariabilität), Gyroskop, Kompass und Barometer. Dazu kommen Schlaftracking und Zyklusprotokolle. Beim Standort setzt Honor auf Mehrfrequenz-GPS (L1+L5) samt Galileo, GLONASS, Beidou und QZSS, was die Ortung in der Stadt und unter Baumkronen stabiler machen soll. Das GPS-Pairing klappte im Test solide. Meist vergingen rund zehn Sekunden, bis eine Positionsbestimmung abgeschlossen war.

Im Alltag zeigt sich die Routenaufzeichnung weitgehend präzise und frei von groben Ausreißern: Selbst bei Läufen oder Radtouren durch dicht bewaldete Parks oder belebte Straßenabschnitte mit hoher Bebauung zeichnet die Uhr den Verlauf plausibel nach. Wer lediglich seine Joggingrunden, Spaziergänge oder Radtouren ohne Smartphone in der Tasche tracken möchte, bekommt eine absolut verlässliche Leistung für diese Preisklasse. Einzig ambitionierte Leistungssportler, die auf Punkt-für-Punkt-Navigationskarten direkt auf dem Bildschirm oder extrem detaillierte Profi-Laufmetriken angewiesen sind, stoßen mit der Uhr an ihre Grenzen. Für das alltägliche Hobbytraining sind die GPS-Aufzeichnungen dieser Smartwatch jedoch mehr als ausreichend.

Honor Watch 6
Die Honor Watch 6 bietet einen übersichtlichen Trainingsmodus. Image source: Hayo Lücke / inside digital

Aber: Eine EKG-Funktion bietet die Watch 6 nicht. Die optischen Sensoren liefern solide Richtwerte, keine medizinisch belastbaren Daten. Im Vergleich mit einem Polar H10 Brustgurt liegt der vom Algorithmus der Uhr gemessene Durchschnittspuls mitunter zwei bis fünf Schläge höher. Das macht sich auch bei Intervalltrainings bemerkbar. Bei schnellen Pulswechseln (zum Beispiel bei Sprints oder Kniebeugen) stößt die Uhr an Grenzen. Hier musst du mit leichten Verzögerungen rechnen. Das ist aber nicht verwunderlich, weil dieses Problem bei allen optischen Pulssensoren auftritt. Für eine reine Fitness-Uhr ist das verkraftbar, als Gesundheits-Vollausstattung sollte man sie aber trotzdem nicht missverstehen.

Konnektivität: das Nötige, nicht mehr

Bluetooth 5.4 und NFC für kontaktloses Bezahlen sind an Bord, Lautsprecher und Mikrofon erlauben Telefonate direkt am Handgelenk. Ob man das braucht, muss jeder für sich entscheiden, die Bluetooth-Telefonie kann aber zum Beispiel im Auto helfen, wenn man dort keine Freisprecheinrichtung nutzen kann. Verzichten musst du dagegen auf WLAN und eine eigene Mobilfunkverbindung. Ohne gekoppeltes Smartphone bleibt die Uhr also in ihren Möglichkeiten beschnitten. In dieser Preisklasse ist das verschmerzbar, gehört aber ehrlicherweise auf die Habenseite bei so mancher Konkurrenz-Uhr. Vorteil: Ohne WLAN und LTE leidet die Akkulaufzeit deutlich weniger.

Was kostet die Honor Watch 6?

Angeboten wird die Honor Watch 6 in zwei Varianten. Mit braunem Lederarmband und silberfarbenem Edelstahl-Gehäuse für 269,90 Euro und komplett in Schwarz mit Silikonarmband für 249,90 Euro. Teilweise laufen über die Honor-Homepage Sonderaktionen, bei denen der Preis über Gutscheine reduziert wird. Zum Zeitpunkt dieses Testberichts ließen sich beispielsweise 80 Euro per Gutscheincode sparen, was die Uhr in einen deutlich attraktiveren Preisrahmen rückt. Der nachfolgende Preisvergleich zeigt dir, wo du die Uhr aktuell zu ebenfalls bereits rabattierten Konditionen kaufen kannst. Bei Amazon bist du bei beiden Varianten bereits für unter 170 Euro dabei.

Fazit zur Honor Watch 6

Honor Watch 6 Testsiegel
/ Bildquelle: inside digital

Die Honor Watch 6 ist eine leichte, wasserfeste Fitness-Uhr mit einem hellen Display und einer Ausdauer, die im Alltag richtig Spaß macht. Sie richtet sich an alle, die ihre Aktivität und ihren Schlaf im Blick behalten wollen, ohne alle zwei Tage ans Ladekabel zu denken. Das Gesamtpaket ist stimmig, solange man die Erwartungen richtig steckt und mit einem weniger auffälligen Design leben kann.

Wer allerdings die beworbenen 35 Tage als Alltagswert einplant, wird enttäuscht. Realistisch sind es mit aktiven Funktionen deutlich weniger Tage, die diese Uhr durchhält. Und wer ein offenes App-Ökosystem, eine ausgereifte Bedienung oder medizinische Features wie ein EKG erwartet, ist mit anderen Modellen besser bedient. Die Watch 6 macht vieles ordentlich und eine Sache, die Akkulaufzeit, richtig gut. Ob das reicht, hängt davon ab, wie hoch die Akkulaufzeit auf deiner persönlichen Prioritätenliste steht.

Wetteranzeige auf der Honor Watch 6.
Smarte Funktionen wie eine Wetteranzeige gibt es auf der Honor Watch 6 auch. Image source: inside digital

Honor Watch 6 Vorteile

  • starke Akkulaufzeit
  • Helles, gut ablesbares Display
  • Leichter, robuster Aufbau
  • Breite Sport- und Ortungsausstattung

Honor Watch 6 Nachteile

  • Geschlossenes Software-Ökosystem
  • Bedienung mit Ecken und Kanten
  • kein EKG
  • WLAN und Mobilfunk-Anbindung ebenfalls nicht vorhanden

Abschließender Hinweis: Dieser Testbericht basiert auf Firmware-Version 20.0.1.88. Etwaige Änderungen und Erweiterungen können nicht berücksichtigt werden, weil die Uhr nach Testende an Honor zurückgeschickt wurde.

Samsung Galaxy Watch Ultra 2 am Handgelenk von Hayo Lücke

Jetzt weiterlesen

Samsung Galaxy Watch Ultra 2 Test: Kompromisslos optimiert, aber ein Haken bleibt

Schlichtes und zurückhaltendes Design, damit punktet die Honor Watch 6. Sie drängt sich nicht auf und sitzt angenehm leicht am Handgelenk. Schade finde ich aber, dass sie an einigen wichtigen Stellen beschnitten bleibt: Das MagicOS-Ökosystem liefert nicht viele brauchbare Apps und ein EKG, WLAN sowie eine eigene Mobilfunkverbindung fehlen komplett. So bleibt eine sympathische, hübsche Uhr, die mir an entscheidenden Punkten aber etwas zu wenig bietet.

Unsere Redaktion testet Produkte nach festen redaktionellen Kriterien. Testgeräte stellt meist der Hersteller leihweise zur Verfügung — auf unsere Bewertung hat das keinen Einfluss. Über Affiliate-Links im Beitrag bekommen wir beim Kauf eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.

Autor

  • Sou criador do MdroidTech, especialista em tecnologia, aplicativos, jogos e tendências do mundo digital. Com anos de experiência testando dispositivos e softwares, compartilha análises, tutoriais e notícias para ajudar usuários a aproveitarem ao máximo seus aparelhos. Apaixonado por inovação, mantém o compromisso de entregar conteúdo original, confiável e fácil de entender