Warum SpaceX auch enttäuschen könnte

Warum SpaceX auch enttäuschen könnte

Es gibt einen Satz, der fast immer dann fällt, wenn ein Unternehmen plötzlich zur Geldmaschine wird: „Hätte ich damals doch nur ein paar Aktien gekauft.“ Dann fallen die üblichen Verdächtigen. Google. Amazon. Tesla. Apple. Namen, die heute fast schon wie religiöse Symbole wirken. Aus ein paar Hundert Euro wären über die Jahre Tausende geworden, manchmal sogar Hunderttausende. Und genau diese Rückschau ist es, die den Traum vom schnellen Reichtum am Leben hält. Und jetzt wieder so ein Moment.

Am 12. Juni soll SpaceX an die Börse gehen. Schon jetzt wird über einen der größten Börsengänge aller Zeiten gesprochen. Kunden von Trade Republic können schon vor dem Start zeichnen. Wer eine Order abgibt, steht gedanklich bereits an der Startlinie. Die Logik klingt verführerisch einfach: Wenn die Nachfrage groß ist, muss der Kurs steigen. Muss er?

SpaceX: 145 Euro für was eigentlich?

Denn die Börse funktioniert selten so einfach. Sie belohnt nicht automatisch den Mutigen. Und schon gar nicht den Schnellsten. Die Vernunft sagt: Warte ab. Schau dir das Unternehmen an. Der Preis ist vielleicht zu hoch. Die andere Stimme flüstert: Was, wenn das die nächste Amazon-Aktie wird? Was, wenn aus 145 Euro (so viel soll eine SpaceX-Aktie maximal kosten) ziemlich schnell 1.450 Euro werden? Nun, die Geschichte zeigt: Es kann fantastisch laufen. Oder schmerzhaft.

Wer heute 145 Euro in eine SpaceX-Aktie investieren möchte, sollte deshalb weniger auf Elon Musk und seine Raketen schauen, sondern auf die Geschichte der großen Tech-Börsengänge. Denn dort findet sich fast alles, was Anlegern auch bei SpaceX passieren könnte: Euphorie, Abstürze, Enttäuschungen und am Ende manchmal doch eine Erfolgsgeschichte.

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Google: Der stille Start eines Giganten

Als Google 2004 an die Börse ging, war das Unternehmen zwar bereits bekannt, aber längst nicht der allgegenwärtige Gigant von heute. Der Ausgabepreis lag bei 85 Dollar, am ersten Handelstag schloss die Aktie bei knapp über 100 Dollar. Ein guter Start, mehr nicht. Keine Explosion, kein Börsenfeuerwerk.

Google-Aktie seit Börsenstart
Google-Aktie seit Börsenstart Image source: Google Finanzen

Im Rückblick wird der Börsengang von Google oft verklärt. Tatsächlich wurden die größten Gewinne nicht am ersten Tag gemacht, sondern über viele Jahre. Die Anleger, die wirklich reich wurden, waren nicht diejenigen, die jede Kursbewegung analysierten. Es waren die, die einfach sitzenblieben, während die Welt sich veränderte. Die Lehre daraus ist: Der erste Börsentag kann spektakulär sein, muss es aber nicht. Für den langfristigen Erfolg spielt er oft nur eine Nebenrolle.

Facebook: Der Hype, der sich selbst im Weg stand

Noch deutlicher zeigt das Beispiel Facebook, heute Meta, wie gefährlich die Euphorie rund um einen Börsengang sein kann. Als das Unternehmen 2012 an die Börse ging, schien der Erfolg praktisch garantiert. Das soziale Netzwerk dominierte das Internet, die Medien überschlugen sich. Das soziale Netzwerk war längst kein Start-up mehr, sondern ein globales Phänomen. Jeder wollte dabei sein. Jeder wollte ein Stück davon.

Meta-Aktie seit Börsenstart
Meta-Aktie seit Börsenstart Image source: Google Finanzen

Der Start an der Börse wurde dann genau das Gegenteil von dem, was viele erwartet hatten Technische Probleme an der Börse und Zweifel an der Bewertung belasteten den Kurs. In den Monaten nach dem IPO verlor die Aktie rund die Hälfte ihres Wertes. Wer damals voller Begeisterung kaufte und wenige Monate später frustriert verkaufte, machte Verluste. Aus Euphorie wurde Frust. Aus „ich muss dabei sein“ wurde „warum habe ich das gemacht“. Wer dagegen Geduld hatte, wurde Jahre später reich belohnt. Meta gehört heute zu den wertvollsten Technologieunternehmen der Welt. Das ist eine der größten Ironien an der Börse: Ein hervorragendes Unternehmen kann eine miserable erste Zeit als Aktie erleben.

Tesla: Zwischen Spott und später Legende

Heute wirkt es fast so, als hätte jeder gewusst, dass Tesla einmal Milliarden wert sein würde. Tatsächlich war die Stimmung beim Börsengang 2010 deutlich verhaltener. Das Unternehmen schrieb Verluste, viele Experten zweifelten an der Zukunft von Elektroautos und Elon Musk galt für manche eher als exzentrischer Träumer denn als Visionär.

Die Aktie stieg am ersten Tag zwar deutlich, aber das eigentliche Drama spielte sich danach ab. Immer wieder gab es heftige Rückschläge. Produktionsprobleme, Kritik an Musk und Zweifel am Geschäftsmodell sorgten dafür, dass viele Anleger ausstiegen.

Tesla-Aktie seit Börsenstart
Tesla-Aktie seit Börsenstart Image source: Google Finanzen

Erst Jahre später begann die spektakuläre Rallye, die Tesla zu einem Börsenphänomen machte. Wer die heutige Erfolgsgeschichte betrachtet, vergisst leicht, wie viele Investoren unterwegs die Nerven verloren haben.

Airbnb als Rakete, Rivian als Ernüchterung

Als Airbnb Ende 2020 an die Börse ging, wurde der Ausgabepreis auf 68 Dollar festgelegt. Der erste gehandelte Kurs lag jedoch bei mehr als 140 Dollar. Wer das Glück hatte, Aktien zum Ausgabepreis zu bekommen, jubelte. Wer in der allgemeinen Euphorie am ersten Handelstag kaufte, musste später zeitweise kräftige Verluste aushalten. Das ist ein typisches IPO-Muster: Die Ersten feiern. Die Späteren finanzieren manchmal die Party.

Airbnb-Aktie seit Börsenstart
Airbnb-Aktie seit Börsenstart Image source: Google Finanzen

Die Börsengeschichte kennt allerdings auch viele Unternehmen, bei denen der große Traum nie Wirklichkeit wurde. Der Elektroautohersteller Rivian wurde beim Börsengang unwahrscheinlich hoch bewertet. Die Bewertung schoss in Regionen, wo sich so mancher fragte: Wie kann ein Neuling mehr wert sein als etablierte Autokonzerne, die seit Jahrzehnten weltweit Millionen von Fahrzeugen verkaufen? Die Fantasie war riesig, die Erwartungen ebenfalls.

Doch hohe Erwartungen sind an der Börse ein gefährlicher Gegner. Als die Realität mit Produktionsproblemen und schwierigen Marktbedingungen einsetzte, verlor die Aktie massiv an Wert. Der Fall Rivian erinnert daran, dass eine faszinierende Idee und eine gute Aktie zwei unterschiedliche Dinge sein können. Manchmal bezahlt der Markt für die Geschichte bereits so viel Geld, dass kaum noch Raum für weitere Überraschungen nach oben bleibt.

Rivian-Aktie seit Börsenstart
Rivian-Aktie seit Börsenstart Image source: Google Finanzen

SpaceX: mehr als eine Aktie, weniger als ein Versprechen

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied. SpaceX verkauft nicht nur ein Produkt, sondern eine Vision. Raketenstarts, bemannte Raumfahrt und ein weltweites Satellitennetz sorgen für eine Aufmerksamkeit, von der andere Unternehmen nur träumen können.

Hinzu kommt Elon Musk. Kaum ein Unternehmer schafft es, Investoren derart zu begeistern. Für seine Anhänger ist er ein Pionier, der ganze Industrien verändert. Für Kritiker ist er ein Meister der Inszenierung. Wahrscheinlich steckt von beidem etwas in ihm.

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Das Problem könnte sein: Erzählungen sind oft schon eingepreist, bevor die erste Aktie überhaupt gehandelt wird. Wenn der Hype groß genug ist, beginnt der Handel nicht bei null Erwartungen. Sondern bei sehr hohen.

Gerade das könnte einen Börsengang von SpaceX so außergewöhnlich machen. Die Nachfrage könnte enorm sein. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass der Kurs schon am ersten Tag Erwartungen widerspiegelt, die sich erst in vielen Jahren erfüllen müssten.

SpaceX: Was aus 145 Euro werden kann

Die Geschichte der großen Tech-IPOs zeigt immer wieder drei Muster. Der erste Fall ist der Traumstart. Nachfrage explodiert, der Kurs schießt nach oben, frühe Käufer feiern. Der zweite Fall ist die Ernüchterung. Der Markt stellt fest, dass die Erwartungen zu hoch waren, und der Kurs fällt zurück. Der dritte Fall ist der zähe Weg. Erst wenig Bewegung, dann Jahre später der große Durchbruch. Und genau dieser dritte Fall ist der, den viele im Nachhinein erzählen, aber nur wenige tatsächlich durchgehalten haben.

SpaceX geht an die Börse: Kunden von Trade Republic können schon vor dem Start dabei sein
SpaceX geht an die Börse: Kunden von Trade Republic können schon vor dem Start dabei sein Image source: Blasius Kawalkowski / inside digital

Wer heute auf Google, Meta oder Tesla blickt, sieht fast ausschließlich die Gewinner. Die vielen Monate oder Jahre voller Zweifel, Kursverluste und schlechter Nachrichten geraten dabei schnell in Vergessenheit. Deshalb ist die vielleicht wichtigste Frage vor einem möglichen SpaceX-Investment erstaunlich schlicht: Kann ich damit leben, wenn aus meinen 145 Euro vorübergehend nur noch 100 oder sogar 70 Euro werden?

Wer diese Frage mit Ja beantworten kann, investiert nicht nur in eine Aktie, sondern in eine Geschichte und in eine mögliche Zukunftstechnologie. Wer sie mit Nein beantwortet, sollte sich bewusst machen, dass Börsengänge selten ein sicherer Weg zum schnellen Geld sind. Die Geschichte der großen Tech-Unternehmen lehrt jedenfalls eines sehr deutlich: Der erste Tag an der Börse entscheidet selten darüber, ob ein Unternehmen am Ende eine Legende wird. Er entscheidet nur darüber, wer an diesem Tag die besseren Nerven hatte.

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