Riester ist tot, doch der Nachfolger macht dieselben Fehler – trotz 540 Euro Zuschuss vom Staat

Riester ist tot, doch der Nachfolger macht dieselben Fehler – trotz 540 Euro Zuschuss vom Staat

Die Riester-Rente ist kolossal gescheitert. Das ist inzwischen nicht mehr nur die Meinung frustrierter Sparer, Verbraucherschützer oder Finanzkolumnisten, sondern offenbar auch in Berlin angekommen. Gut 20 Jahre nachdem die Politik den Deutschen das private Vorsorgesparen als Rettung für den Ruhestand verkauft hat, liegt das Projekt praktisch hirntot am Boden. Warum? Weil es kompliziert ist, undurchsichtig und vor allem: teuer. Millionen Verträge existieren zwar noch, aber in vielen wird längst nichts mehr eingezahlt. Die staatlichen Zulagen versickerten oft nicht in der Altersvorsorge der Bürger, sondern in Abschluss- und Verwaltungskosten. Die Versicherer haben sich an der Riester-Rente eine goldene Nase verdient. Nun will die Regierung einen Neustart.

Riester-Nachfolger: Die gleichen Fallen?

Ab 2027 soll die Riester-Rente durch ein neues Modell ersetzt werden. Einfacher, günstiger, flexibler. Vor allem aber renditestärker, so das Versprechen der Regierung. Endlich mehr Aktien. Weniger starre Garantien und mehr Chancen auf Vermögensaufbau. Hinzu kommt eine Förderung vom Staat, die laut Finanzministerium bei 540 Euro pro Jahr liegt. Kurz gesagt: Die Politik will alles besser machen als beim Riester-Debakel. Das Problem ist nur: Kaum liegt das neue Gesetz auf dem Tisch, zeigt sich, wie die Finanzbranche daraus wieder ein Geschäft macht, das vor allem ihr selbst nützt.

Besonders deutlich wird das ausgerechnet beim größten Riester-Anbieter Deutschlands. Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, hat als erster Anbieter konkrete Pläne vorgestellt. Und die klingen erstaunlich vertraut. Statt möglichst einfacher und günstiger ETF-Lösungen setzt man erneut auf aktives Fondsmanagement, Garantien und komplizierte Konstruktionen. Also genau jene Zutaten, die schon die Riester-Rente teuer und schwach gemacht haben.

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Natürlich klingt das in den Broschüren eleganter. Dort ist von taktischen Abweichungen, Lebenszyklusmodellen und individuellen Sicherheitsbedürfnissen die Rede. Übersetzt heißt das vor allem: Menschen zahlen weiterhin Gebühren dafür, dass Fondsmanager versuchen, schlauer zu sein als der Markt. Ein Kunststück, das in der Realität erstaunlich selten gelingt.

Aus Altersvorsorge für Bürger wird Geld für Verwalter

Denn die nüchterne Bilanz aktiver Fonds ist seit Jahren ziemlich eindeutig. Nach Kosten schneiden viele schlechter ab als einfache ETFs, die schlicht einen Index nachbilden und dafür fast nichts kosten. Genau deshalb gelten ETFs bei Verbraucherschützern längst als die sinnvollste Form langfristiger Geldanlage. Kein teures Management, kein hektisches Umschichten. Und kein Finanzjongleur, der glaubt, den Markt schlagen zu können. Sondern einfach die Erkenntnis, dass die Weltwirtschaft auf lange Sicht wächst.

Doch genau dieses einfache Prinzip scheint in Teilen der Finanzbranche fast schon als Bedrohung zu gelten. Denn an einem simplen ETF-Sparplan verdienen Versicherer, Banken und Vermittler eben deutlich weniger als an komplizierten Vorsorgeprodukten mit vielen Schichten, Garantien und Verwaltungsmodellen.

An dieser Stelle wollen die Versicherer verdienen

Deshalb bekommt nun selbst das neue staatlich geförderte Standardprodukt wieder einen schönen Gebührenmantel verpasst. Zwar sollen die Kosten auf maximal ein Prozent pro Jahr begrenzt werden. Das klingt zunächst harmlos. Tatsächlich macht dieser Unterschied über Jahrzehnte aber Zehntausende Euro aus.

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Ein normaler ETF-Sparplan kostet oft nur 0,1 oder 0,2 Prozent jährlich. Beim neuen Vorsorgedepot darf das Fünf- bis Zehnfache verlangt werden. Und weil Altersvorsorge über 30 oder 40 Jahre läuft, frisst sich dieser Unterschied langsam, aber zuverlässig durch das Vermögen. Genau das macht solche Kosten so lukrativ für Anbieter – und so teuer für Sparer.

Floppt der Riest-Nachfolger genauso?

Besonders bitter ist dabei die Ironie der staatlichen Förderung. Der Staat gibt Geld dazu, damit Menschen fürs Alter vorsorgen. Gleichzeitig fließt ein erheblicher Teil dieser Förderung erneut direkt in die Systeme der Finanzindustrie zurück: in Verwaltungsgebühren, Produktkosten, Vertrieb und Fondsmanagement. Die Zulage landet damit nicht vollständig beim Sparer, sondern teilweise wieder bei jenen Unternehmen, die das Produkt verkaufen. Man könnte auch sagen: Der Staat subventioniert weiterhin ein Geschäftsmodell, das schon bei Riester hervorragend daran verdient hat, mittelmäßige Vorsorgeprodukte teuer zu verpacken.

Modellrechnungen von Finanzexperten zeigen heute schon das eigentliche Problem. Ein einfacher ETF-Sparplan ohne staatliche Förderung kann am Ende trotzdem mehr Vermögen bringen als das neue staatlich geförderte Vorsorgedepot. Warum? Weil die Kosten einfach niedriger sind. Das ist die vielleicht vernichtendste Bilanz dieser Reform. Und schon jetzt deutet vieles darauf hin, dass die Finanzbranche wieder genau das tut, was sie schon bei Riester getan hat: ein eigentlich sinnvolles Vorsorgeprinzip mit teuren Produkten, komplizierten Konstruktionen und dauerhaft laufenden Gebühren zu überziehen.

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  • Sou criador do MdroidTech, especialista em tecnologia, aplicativos, jogos e tendências do mundo digital. Com anos de experiência testando dispositivos e softwares, compartilha análises, tutoriais e notícias para ajudar usuários a aproveitarem ao máximo seus aparelhos. Apaixonado por inovação, mantém o compromisso de entregar conteúdo original, confiável e fácil de entender