Die Intersolar 2026 kann man in einem Satz zusammenfassen: Module sind langweilig geworden, bei den Speichern geht’s rund. Während bei Trina, Jinko, JA & Co. überall technisch fast identische TOPCon-Modulen hängen, gibt es bei den Speichern zwei spannende Entwicklungen. Eine davon habe ich an einem eher unscheinbaren Stand gefunden, der mich seit München nicht loslässt.
Natrium: Der Akku aus Kochsalz
Am Stand von Revolta, einem Frankfurter Start-up, habe ich mit Gründer und CEO Dr.-Ing. Julian Mattheis gesprochen. Sein Produkt: einer der ersten Natrium-basierten Hochvolt-Heimspeicher für den deutschen Markt, Marktstart geplant im September.
Das Prinzip: Natrium ersetzt Lithium als Ladungsträger. Es steht im Periodensystem direkt unter Lithium. Wer sich an den Chemieunterricht aus der Schule erinnert, weiß: Natrium verhält sich chemisch ähnlich wie Lithium (beides macht im Wasser kräftig Lärm). Aber Natrium ist Bestandteil von Kochsalz und anders als Lithium damit quasi unbegrenzt verfügbar, überall auf der Welt, ohne politisch heikle Lieferketten. Lange scheiterte die Technologie an der Fertigung. Das ändert sich gerade rasant.
Wir haben den Punkt erreicht, an dem Natrium-Zellen auf einem ähnlichen Preisniveau ankommen wie Lithium-Zellen.
Natrium liefert drei schlagkräftige Gründe, warum Lithium-Akkus in den Ruhestand geschickt werden können – und leider auch einen Grund, wieso das nicht passieren wird.
Frost: Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), die in fast allen Balkonkraftwerk-Speichern stecken, lassen sich unter null Grad nicht laden. Viele Outdoor-taugliche Speicher, die ich in der Vergangenheit getestet habe, lösen das mit einer eingebauten Heizung. Dann hat man im sowieso sonnenarmen Winter aber einen Speicher, der bei minus zehn Grad einen Teil des ohnehin knappen Stroms verheizen muss, um zu funktionieren. Und Natrium-Zellen? Die arbeiten bis minus 20 Grad, Problem gelöst.
Sicherheit: Natrium-Zellen sind noch gutmütiger als die ohnehin schon recht robusten LFP-Zellen, insbesondere das Brandrisiko ist minimal. Für ein Gerät, das im Wohnzimmer oder auf dem Balkon steht, ist das ein gutes Argument. Niemand mag Wohnungsbrände, auch wenn die ehrlicherweise eine absolute Ausnahme sind bei Balkonkraftwerk- und Heimspeichern.
Preis und Rohstoff. Natrium-Zellen nähern sich gerade dem Preisniveau von Lithium an. CATL, der weltgrößte Zellhersteller, hat im April den größten Natrium-Deal der Geschichte unterschrieben: 60 GWh für den Speicherintegrator HyperStrong. Für seine Container-Großspeicher nennt CATL Zellkosten, die noch einmal deutlich unter Lithium liegen sollen.
Der Haken von Natrium-Speichern
Natrium-Zellen sind leider größer und schwerer als Lithium-Zellen – und damit für Smartphones oder E-Bikes nicht geeignet, wo es auf jedes Gramm und jeden Kubikmillimeter ankommt. Aber für einen Heimspeicher sind Gewicht und Größe nahezu egal. Wenn Revolta dann ab September liefert, gibt es hier den ersten Natrium-Speicher „Made in Germany“ – auch wenn zumindest die Zellen ehrlicherweise nicht von Revolta selbst, sondern aus China stammen.
Mein Eindruck am Stand war ehrlich gesagt: Der Speicher wirkte noch etwas unfertig, aber das war womöglich einfach eine Design-Frage. Mattheis war optimistisch – und sobald einmal der erste Natrium-Speicher auf dem Markt ist, werden die anderen nachziehen.
Der x-tausend-Watt-Bluff bei Balkonkraftwerken
Apropos Nachziehen, womit wir beim zweiten Messethema wären, das ich im voranstehenden Video direkt vor Ort erkläre: An praktisch jedem Speicher-Stand prangen Zahlen wie „5.000 Wp Modulleistung“ und „2.400 W Einspeisung“. Klingt gewaltig, ist aber im normalen Betrieb schlicht nicht erlaubt. An der Schuko-Steckdose gilt: maximal 800 W Einspeisung, maximal 960 Wp Modulleistung (mit spezieller Einspeisesteckdose 2.000 Wp). Die Traumwerte vom Messestand gibt es nur, wenn ein Elektriker das System fest verdrahtet und an einen eigenen Stromkreis hängt. Dann ist es rechtlich aber eher eine kleine PV-Anlage als ein Balkonkraftwerk. Das steht aber leider eher im Kleingedruckten.
Die eigentlich gute Nachricht steckt trotzdem darin: Diese Geräte sind heimlich zu vollwertigen Solaranlagen herangewachsen. Für gut 1.000 Euro gab es vor drei Jahren 1–2 kWh Speicher, heute sind es stolze 5 kWh. Die Systeme sind außerdem modular und richtig smart gebaut: Die einzelnen Speicherblöcke lassen sich dank integrierter Pins direkt aufeinander stapeln, quasi komplett kabellos. Beim auf der Intersolar vorgestellten EcoFlow Stream 5000 beispielsweise wachsen sie per Hub auf bis zu 30.000 Wp Modulleistung und 18 kWh über drei Phasen an. Man startet mit einem Balkonkraftwerk und endet, Modul für Modul, theoretisch bei mehr Leistung, als die meisten Eigenheime auf ihrem Dach unterbringen könnten.
Fazit: Salz gewinnt
Der eigentliche Messe-Schauplatz waren die Speicher – und mitten darin die eine Technologie, die das Zeug zum Gamechanger hat: Natrium-Akkus. Sie sind frostfest, brandsicher, aus einem Rohstoff, der buchstäblich im Meer schwimmt. Und nächstes Jahr sprechen wir über Natrium-Akkus dann hoffentlich so selbstverständlich wie heute über LFP.
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