DSL-Abschaltung: Wildbgerer bremst EU-Pläne

DSL-Abschaltung: Wildbgerer bremst EU-Pläne

Die Bundesregierung stellt sich damit klar gegen eine pauschale Abschaltung nach einem festen EU-Zeitplan. Betroffen sind alle, die heute noch über DSL telefonieren oder surfen. Konkret bedeutet das: Dein Anschluss kann erst dann verschwinden, wenn vor Ort ein Ersatz bereitsteht. Das war schon immer so geplant, doch die EU macht Druck und will einen bundesweiten Abschalttermin. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat aber schon vor einigen Wochen auf der ANGA COM und jetzt im Umfeld des MoU „Das beste Netz für Deutschland“ deutlich gemacht: Das wird so nicht passieren. Er will das Kupfernetz nicht dauerhaft erhalten. Aber er lehnt eine bundesweite Abschaltung an einem einzigen Stichtag ab.

Das steckt hinter der DSL-Abschaltung

Internet läuft in Deutschland meist über alte Kupferleitungen. DSL und VDSL sind die technischen Begriffe dafür. Diese Technik hat viele Haushalte über Jahre versorgt. Für die nächste Ausbaustufe setzt die Politik auf Glasfaser. Glasfaser bedeutet: Daten laufen über Lichtsignale statt über elektrische Signale. Das bringt mehr Tempo, stabilere Anschlüsse und größere Reserven.

Auf der ANGA COM hat Wildberger in der Eröffnungsrede das Ziel klar benannt: „Glasfaser endet nicht am Bordstein, sondern in der Wohnung.“ Nach seinen Angaben steht derzeit für rund 55 Prozent der Haushalte ein Glasfaseranschluss zur Verfügung. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen es 75 Prozent oder mehr werden. Dabei handelt es sich um die umstrittene Zählgröße Homes Passed, bei der die Glasfaserleitung meist noch ins Haus und in die Wohnung verlegt werden muss.

Das macht den Wechsel von Kupfer auf Glasfaser heikel. Viele Kunden nutzen noch DSL. Andere haben Kabelinternet. Wieder andere wollen nicht mehr zahlen. Oder sie sehen keinen Grund zum Wechsel. Wildberger nennt selbst eine „zurückhaltende Nachfrage“ als Problem. Kunden zögerten, von DSL oder Kabel auf Glasfaser umzusteigen. Entsprechend werden die Leitungen in den Häusern nicht gebucht und verlegt, und der Wechsel kann nicht stattfinden.

Digitalminister Karsten Wildberger an einem Redepult
Minister Wildberger will die Angst vor der DSL-Migration nehmen Image source: Thorsten Neuhetzki / inside digital

Was das für deinen DSL-Anschluss bedeutet

„Eine bundesweite Abschaltung mit der Brechstange am Tag X wird es nicht geben.“ Damit widerspricht Wildberger einem pauschalen Modell, das alle Anschlüsse in Deutschland gleichzeitig treffen würde. Stattdessen soll die Abschaltung regional erfolgen. Wildberger formuliert es so: „Wichtig ist auch, dass die Abschaltung gebietsweise erfolgt, mit transparenter und frühzeitiger Kommunikation.“ Für dich heißt das: Ein Brief oder eine Information deines Anbieters müsste rechtzeitig kommen. Eine plötzliche Abschaltung ohne Vorlauf passt nicht zu dieser Linie. Im Gespräch sind derzeit drei Jahre zwischen Ankündigung und Abschaltung.

Noch wichtiger ist die neue Versorgung. Wildberger sagt: „Die Versorgung der Endkunden muss zu jeder Zeit sichergestellt sein.“ Er ergänzt: „Nur mit gleichwertigem Ersatz, Wahlmöglichkeiten und angemessenen Preisen kann abgeschaltet werden.“ Das ist der Kern für Verbraucher. DSL soll nicht verschwinden, wenn danach nur eine teurere oder schlechtere Lösung bleibt. Dabei ist man sich in der Branche aber auch sicher: 100 Prozent Glasfaserabdeckung kann es nicht geben – allein schon, weil es immer Eigentümer geben wird, die den Zugang für die Glasfaser verweigern werden. Einzelne Haushalte müssten in der Konsequenz dann mit Mobilfunk oder Satellit auskommen.

Warum Wildberger den EU-Ansatz kritisiert

Der Streit dreht sich um den Digital Networks Act der EU-Kommission. Nach Wildbergers Darstellung enthält der Entwurf auch Regeln zur Abschaltung des DSL-Netzes. Würde der Entwurf als Verordnung kommen, gälte er direkt in Deutschland. Genau daran stört sich Wildberger.

Sein Hauptargument: Deutschland steht anders da als andere Länder. Spanien ist bei der Kupfer-Glas-Migration laut Wildberger praktisch fertig. Frankreich ist weit vorangeschritten. Deutschland hängt beim Glasfaserausbau weiter zurück. Zugleich seien die Kupfernetze hier leistungsfähiger. „Der derzeitige europäische Ansatz muss in entscheidenden Punkten geändert werden.“ Eine Regulierung, die nationale Unterschiede ignoriert, beschleunigt nicht, „sondern bremst“. Seine Folgerung ist klar: Deutschland will nationale Spielräume behalten.

So geht es politisch weiter

Parallel arbeitet die Bundesregierung an der TKG-Novelle 2026. Sie soll den Ausbau schneller machen. Dazu gehören Regeln für Glasfaser im Gebäude. Gerade Mehrfamilienhäuser sind wichtig. Denn Glasfaser bis zur Straße reicht nicht, wenn die Leitung nicht bis in die Wohnung kommt. Heute hat das Bundeskabinett dazu beraten.

Das MoU „Das beste Netz für Deutschland“ wurde am Montag unterzeichnet. Es soll zusätzlich für mehr Verbindlichkeit sorgen. Es enthält konkrete Ziele und überprüfbare Kennzahlen für Unternehmen, Länder und Kommunen. Das kann helfen, weil der Ausbau nicht nur am Geld hängt. Genehmigungen, Tiefbau und Hausanschlüsse bremsen ebenfalls.

Für Kunden bleibt die Lage trotzdem offen. Klar ist: Das Kupfernetz hat keine dauerhafte Zukunft. Unklar bleibt, wann einzelne Orte wirklich an der Reihe sind. Entscheidend wird nicht eine bundesweite Jahreszahl sein. Entscheidend wird die konkrete Versorgung vor Ort. Und die Akzeptanz der Kunden. Denn viele erachten einen Wechsel zur Glasfaser als schlichtweg nicht notwendig, weil sie mit ihren 50, 100 oder 250 Mbit/s auskommen. Dass Glasfaseranschlüsse aber immer deutlich teurer und schneller sind, ist nicht in jedem Fall richtig.

Für dich heißt das: Prüfe Verfügbarkeit und Konditionen. Lass dich aber nicht vorschnell drängen. Schon gar nicht an der Haustür, wo Vertreter oft falsche Informationen verbreiten. Solange kein gleichwertiger Ersatz bereitsteht und keine klare Ankündigung kommt, gibt es nach Wildbergers Linie keinen akuten Handlungsdruck. Auch nicht, wenn der Vertreter an der Tür etwas anderes behauptet. Ja, die DSL-Abschaltung kommt. Aber sie kommt voraussichtlich Stück für Stück. Und schon gar nicht in diesem oder im nächsten Jahr.

Ein Vertreter steht vor einer Haustür

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