China müllt sich zu » inside digital

China müllt sich zu » inside digital

Ein Auto zu kaufen, bedeutet für die meisten Menschen, eine große Investition zu tätigen. Und so eine Anschaffung pflegt man – für viele Jahre. In China sieht die Lage gegenwärtig laut eines Berichts der Automobilwoche ganz anders aus. Dort werden E-Autos besonders bei jüngeren Menschen, die es sich leisten können, fast schon wie Wegwerfware behandelt. Nach zwei bis drei Jahren wird das Auto kurzerhand durch ein neues ersetzt. Ein Grund: der technologische Fortschritt.

E-Autos in China: Smartphone-Effekt auf vier Rädern

Obwohl sich die Autos aus rein technischer Sicht noch betreiben ließen, erfolgt bei vielen chinesischen Haltern schon nach wenigen Jahren die Fahrt aufs Abstellgleis. Extremer Innovations- und Preisdruck sorgt dafür, dass noch gar nicht so alte E-Auto-Modelle innerhalb kürzester Zeit an Attraktivität verlieren. Denn neue Fahrzeuge kommen im Monatsrhythmus auf den Markt, erhalten bessere Batterien, mehr Reichweite, schnellere Ladezeiten und modernere Software. Was heute als aktuell gilt, wirkt zwei Jahre später oft schon veraltet. Branchenexperten sprechen deshalb zunehmend vom „Smartphone-Effekt auf vier Rädern“.

Hinzu kommt ein massiver Konkurrenzkampf unter den chinesischen Herstellern. In kaum einem anderen Land ist der E-Automarkt so dicht besetzt wie dort. Zahlreiche Marken kämpfen um Marktanteile, was regelmäßig zu harten Preisschlachten führt und selbst etablierte Marken wie VW enorm belastet. Sinken die Preise für Neuwagen stark, geraten gebrauchte Modelle automatisch unter Druck. Für viele Käufer lohnt sich dann eher ein neues Fahrzeug mit aktueller Technik als ein zwei Jahre altes Auto mit geringerer Reichweite und älterem Infotainment. Das Ergebnis: Junge Gebrauchtwagen verlieren rapide an Wert.

Auch Überkapazitäten sind ein Problem

Ein weiterer Punkt ist die staatliche Industriepolitik der vergangenen Jahre. China hat den Ausbau der Elektromobilität massiv gefördert. Das hat einerseits für technologische Fortschritte gesorgt, andererseits aber auch zu Überkapazitäten geführt. Es wurden mehr Fahrzeuge produziert, als der Markt dauerhaft aufnehmen kann. Hersteller reagieren darauf mit Rabatten, Sonderaktionen und immer neuen Modelloffensiven. Auch Leasing- und Flottenmodelle verstärken den Effekt.

Für Bestandsfahrzeuge ist das Gift. Ein nachhaltiger Gebrauchtwagenmarkt hat so kaum eine Chance. Und das hat zur Folge, dass viele E-Autos auf großen Halden vor sich hin gammeln. Sie dienen allenfalls noch als Ersatzteillager, finden ansonsten aber kaum noch Beachtung.

Warum ist die Lage in Deutschland anders?

Deutschland funktioniert beim Auto traditionell völlig anders. Hier wird ein Fahrzeug in der Regel deutlich länger genutzt. Viele Halter fahren ihr Auto sechs, acht oder sogar zehn Jahre und länger. Das durchschnittliche Alter des gesamten Fahrzeugbestands liegt seit Jahren deutlich über zehn Jahren. Ein Auto gilt in Deutschland für viele Menschen nicht als kurzfristiges Konsumprodukt, sondern als langfristige Investition.

Hinzu kommt die besondere Bedeutung des Gebrauchtwagenmarktes. In Deutschland existiert ein eingespieltes System aus Leasingrückläufern, Inzahlungnahmen, freien Händlern, Werkstätten und TÜV-Prüfungen. Käufer können Wartungshistorien nachvollziehen, Zustände besser einschätzen und Fahrzeuge mit mehr Vertrauen übernehmen. Das stabilisiert Restwerte deutlich stärker als in extrem schnelllebigen Märkten.

Auch die Preisstruktur spielt eine Rolle. Wer in Deutschland 40.000 Euro oder mehr für ein Elektroauto ausgibt, achtet meist sehr genau auf Wertverlust, Garantie, Akkuzustand und Wiederverkaufschancen. Hersteller wiederum wissen, dass ein schlechter Restwert dem Markenimage schadet. Deshalb setzen viele Anbieter stärker auf Langlebigkeit, Service und langfristige Modellpflege.

Und Teil der Wahrheit ist auch: Die Modellwechsel-Geschwindigkeit in Europa ist meist geringer. Während in China laufend neue Versionen erscheinen, bleiben Baureihen in Deutschland und Europa oft länger aktuell. Das verhindert, dass ein zwei Jahre altes Fahrzeug sofort wie alte Technik wirkt.

Was kann man tun, um das Problem in China zu lösen?

  1. Recht auf Reparatur stärken
    Hersteller sollten verpflichtet werden, Ersatzteile, Akkumodule und technische Unterstützung über viele Jahre bereitzustellen. Fahrzeuge dürfen nicht an Kleinigkeiten wirtschaftlich scheitern.
  2. Batterien modular aufbauen
    Wenn einzelne Zellmodule austauschbar sind, muss bei Defekten nicht der komplette Akku ersetzt werden. Das spart enorme Kosten und verlängert die Lebensdauer.
  3. Software länger pflegen
    Viele moderne Autos altern digital schneller als mechanisch. Langfristige Updates für Navigation, Ladeplanung und Assistenzsysteme würden Fahrzeuge deutlich attraktiver halten.
  4. Batteriezertifikate für Gebrauchte
    Ein transparenter Gesundheitscheck für Akkus könnte Käufern Sicherheit geben. Wer weiß, dass der Akku noch 90 Prozent Leistung hat, kauft eher gebraucht.
  5. Second-Life-Nutzung fördern
    Ausgediente Fahrzeugakkus können als stationäre Stromspeicher für Häuser, Betriebe oder Solaranlagen weiterarbeiten. Das erhöht den Gesamtwert der Batterie.
  6. Recycling konsequent ausbauen
    Rohstoffe wie Lithium, Nickel oder Kobalt sollten möglichst vollständig zurückgewonnen werden. So sinkt die Abhängigkeit von neuen Rohstoffen.

Übrigens: Die Erkenntnis, dass in China riesige E-Auto-Friedhöfe zu einer Umweltbelastung werden, ist nicht neu. Bereits vor zwei Jahren berichtete das Fachportal Inside China Auto von entsprechenden Entwicklungen. Damals war aber weniger das Konsumverhalten ein Problem, sondern staatliche Maßnahmen. Viele Firmen kauften in China massenhaft günstige E-Autos, gingen aber pleite, als Förderungen gestrichen wurden. Auch wirtschaftliche Fehlentwicklungen sorgten in der Vergangenheit also dafür, dass in China riesige „Auto-Friedhöfe“ entstanden.

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  • Sou criador do MdroidTech, especialista em tecnologia, aplicativos, jogos e tendências do mundo digital. Com anos de experiência testando dispositivos e softwares, compartilha análises, tutoriais e notícias para ajudar usuários a aproveitarem ao máximo seus aparelhos. Apaixonado por inovação, mantém o compromisso de entregar conteúdo original, confiável e fácil de entender