„Computer Vision Syndrome“ ist es, was man früher noch als „eckige Augen“ von zu vielem Fernsehen bezeichnet hat. Laut einer Medienstudie der ARD/ZDF verbringen deutsche Erwachsene bis zu 6,5 Stunden am Tag vor dem Bildschirm, was für die Augen absolute Hochleistung ist. Woher die Beschwerden wirklich kommen und was effektiv dagegen helfen kann, klären wir hier.
Kurz-Info
- Rund 6,5 Stunden pro Tag verbringen Deutsche im Schnitt vor Bildschirmen – trockene Augen, Kopfschmerzen und Nackenverspannungen sind oft die Folge (Digital Eye Strain).
- Am Bildschirm blinzelst du bis zu 60 Prozent seltener und hältst den Blick statisch, das ist der Hauptgrund für die Beschwerden, nicht das Licht selbst.
- Die 20-20-20-Regel, bewusstes Blinzeln, angepasste Raumbeleuchtung und ein ergonomischer Bildschirmabstand können helfen.
- Zur Wirkung von Blaulichtfilter-Brillen ist die Studienlage gemischt: Es gibt Menschen, die subjektiv weniger Ermüdung berichten, wissenschaftliche Wirkungsnachweise stehen aus.
- Bei anhaltenden Beschwerden ist eine augenoptische Beratung sinnvoll, denn häufig ist die Distanz zum Bildschirm mit einer normalen Alltagsbrille nicht optimal abgedeckt.
Was bei stundenlanger Bildschirmarbeit im Auge passiert
Bei Bildschirmarbeit sinkt die Lidschlagfrequenz deutlich – von normal 10 bis 15 auf teils nur 3 bis 5 Blinzler pro Minute. Der Tränenfilm wird dadurch schlechter verteilt und trocknet schneller aus, was zu Brennen und verschwommenem Sehen führt. Zusätzlich bleibt die Scharfstellfunktion des Auges bei Naharbeit dauerhaft angespannt, was die Augen zusätzlich ermüdet. Das Ergebnis sind häufig trockene Augen, eine verschwommene Sicht und Kopf- sowie Nackenschmerzen.
Die Studienlage zu Blaulichtfilter-Brillen
Blaues Licht aus Displays wird oft als Ursache für Augenermüdung diskutiert. Die bislang umfangreichste Studie – 2023 im Cochrane-Netzwerk veröffentlicht – kam zu einem gemischten Ergebnis: Für signifikante Verbesserungen der Augen-Ermüdung oder Schlafqualität durch Blaulichtfilter-Brillen ließen sich keine klaren Belege finden.
Viele Nutzerinnen und Nutzer berichten aber von einem subjektiv angenehmeren Sehempfinden. Diesen Effekt können Studien nur schwer messbar machen.
Fünf Tipps, die sofort helfen
- 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas in ca. 6 Metern Entfernung schauen – entspannt den Ziliarmuskel.
- Bewusstes Blinzeln: Bewusstes Blinzeln oder kurze Augenschließ-Pausen reduzieren Trockenheit im Auge.
- Beleuchtung anpassen: Bildschirmhelligkeit an Umgebung angleichen, blendfreie indirekte Beleuchtung, keine Lichtquellen direkt hinter oder vor dem Monitor aufstellen.
- Bildschirmabstand und -höhe: 50–70 cm Abstand, Oberkante Monitor leicht unter Augenhöhe.
- Augenoptische Anpassung: Bei anhaltenden Beschwerden individuelles Sehprofil und ggf. eine Arbeitsplatzbrille prüfen lassen – die auf Bildschirmentfernung optimierte Sehhilfe.
Vor allem bei Brillenträgern genügen Pausen, Ergonomie und bewusstes Blinzeln nicht. Häufig steckt hinter Kopfschmerzen und müden Augen keine Krankheit, sondern schlicht der Umstand, dass eine normale Alltagsbrille auf Bildschirmentfernung nicht optimal eingestellt ist.
Helfen kann eine sogenannte Arbeitsplatzbrille. „Eine Arbeitsplatzbrille ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten, die am Bildschirm arbeiten“, erklärt Kai Siegmann, staatlich geprüfter Augenoptiker und Augenoptikermeister bei eyes+more, auf Nachfrage unserer Redaktion. „Sie ermöglicht ein scharfes Sehen im Nahbereich, in dem sich zum Beispiel die Tastatur oder zu lesende Unterlagen befinden, sowie eine optimale Sicht auf mittlere Entfernungen, was ungefähr der Distanz des Bildschirms entspricht. Durch den speziellen Glasaufbau und die optimierte Sehstärke kann das Auge entspannter arbeiten und wird weniger schnell müde.“ Wer über anhaltende Beschwerden klagt, kann sein individuelles Sehprofil über eine augenoptische Anpassung prüfen lassen.
Drei Irrtümer beim Umgang mit digitalem Augenstress
Irrtum 1: Bildschirmhelligkeit einfach hochdrehen
Eine höhere Bildschirmhelligkeit lässt Inhalte zwar leichter erkennen, führt aber gleichzeitig zu stärkerer Blendung und beschleunigt die Ermüdung der Augen. Wirksamer ist es, wenn du die Bildschirmhelligkeit an das Umgebungslicht anpasst. Idealerweise so, dass ein weißer Hintergrund am Monitor genauso hell wirkt wie ein weißes Blatt Papier auf dem Schreibtisch.
Irrtum 2: Dark Mode ist gesünder für die Augen
Dark Mode reduziert die abgestrahlte Lichtmenge und kann bei sehr dunklen Umgebungen angenehmer sein. Ergebnisse für weniger Augenermüdung oder bessere Sehleistung sind aber nicht belegt. Bei normalen Beleuchtungsverhältnissen ist ein heller Modus für die meisten Menschen ähnlich gut lesbar.
Irrtum 3: Nahrungsergänzung schützt die Augen bei Bildschirmarbeit
Präparate mit Lutein, Zeaxanthin oder Beta-Carotin werden oft als Augen-Vitamine beworben. Eine schützende Wirkung gegen digitalen Augenstress ist allerdings nicht belegt.
Häufig gestellte Fragen zum Thema
Was hilft wirklich gegen digitalen Augenstress?
Am wirksamsten sind die 20-20-20-Regel (alle 20 Minuten für 20 Sekunden in ca. 6 Metern Entfernung schauen), bewusstes Blinzeln, eine an die Umgebung angepasste Bildschirmhelligkeit und ein ergonomischer Sitzabstand von 50 bis 70 cm zum Monitor. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine augenoptische Untersuchung sinnvoll – häufig ist eine unentdeckte Sehschwäche oder eine für den Bildschirmabstand nicht optimal eingestellte Brille der eigentliche Auslöser.
Wozu braucht man eine Arbeitsplatzbrille?
Eine Arbeitsplatzbrille ist speziell auf die Sehanforderungen am Bildschirmarbeitsplatz zugeschnitten. Während eine Lesebrille auf den Nahbereich (ca. 30–40 cm) und eine Fernbrille auf Entfernungen ab 3 Metern optimiert ist, deckt eine Arbeitsplatzbrille den Zwischenbereich ab – also die Distanz zum Bildschirm (60–80 cm) plus den Nahbereich für Tastatur und Unterlagen. Damit können die Augen entspannter arbeiten und ermüden weniger schnell. Eine solche Brille wird über den Optiker individuell angepasst.