Commodore wagt Handy-Comeback – mit merkwürdiger Technik

Commodore wagt Handy-Comeback – mit merkwürdiger Technik

Mit dem neuen Commodore Callback 8020 versucht eine der legendärsten Marken der Heimcomputer-Ära ihr nächstes großes Retro-Comeback. Der Hersteller bewirbt das Gerät als Mischung aus klassischem Klapphandy und modernem Smartphone – verbunden mit einer Philosophie des „Digital Detox„. Weniger Ablenkung, weniger Social Media, weniger Dauerbeschallung. Die Idee klingt zunächst charmant. Doch ein Blick auf Technik und Preis zeigt schnell: Hier bezahlt man vor allem für Nostalgie – nicht für zeitgemäße Hardware.

Die technischen Daten: Mittelklasse von gestern im Gewand von morgen

Auf dem Papier liest sich das Datenblatt zunächst ordentlich, bei genauerem Hinsehen wird aber klar, dass das Callback 8020 technisch kaum mit modernen Smartphones konkurrieren kann.

Commodore Callback 8020 Starlight Edition
Commodore Callback 8020 Starlight Edition Image source: Commodore International Corporation

Verbaut wird ein Helio-G81-Prozessor aus dem Hause MediaTek, ein günstiger Einsteiger-Chip, der in der Smartphone-Welt eher in Geräten unterhalb der 200-Euro-Klasse zu finden ist. Dazu kommen lediglich 4 GB Arbeitsspeicher und maue 64 GB interner Speicher, ergänzt durch eine beiliegende 32-GB-microSD-Karte. In der Spitze ist eine Erweiterung des Speichers um bis zu 256 GB möglich.

Das eigentliche Display auf der Innenseite misst gerade einmal 3,25 Zoll bei einer Auflösung von 480 × 640 Pixeln. Das ist nicht nur extrem klein, sondern auch technisch weit entfernt von heutigen Standards, wo selbst günstige Smartphones längst hochauflösende OLED- oder IPS-Panels mit sechs bis sieben Zoll bieten. Immerhin ist es auch als Touchscreen nutzbar, wenn eine App eine Touch-Eingabe erfordert. Auf der Außenseite zeigt ein 1,77-Zoll-Display neben der Uhrzeit unter anderem eingehende Anrufe an. Außerdem ist außen eine fünfstufige LED-Bar zu finden, die leuchtet, wenn SMS oder Anrufe verpasst wurden.

Immerhin gibt es eine 48-Megapixel-Kamera von Sony, Bluetooth, LTE (kein 5G!), WLAN, GPS sowie ein integriertes Radio und einen wechselbaren Akku mit einer Kapazität von 1.550 mAh. Letzteres ist inzwischen tatsächlich eine Seltenheit und einer der wenigen echten Pluspunkte. Auch eine zweite Kamera für Videotelefonate ist integriert. Dafür fehlt es an NFC für mobiles Bezahlen.

Absichtlich kastriert: Smartphone-Funktionen werden künstlich beschnitten

Besonders ungewöhnlich ist das Betriebssystem. Statt Android läuft auf dem Callback 8020 eine angepasste Version von Sailfish OS, einem Linux-basierten mobilen Betriebssystem. Zwar wirbt Commodore damit, dass rund 99 Prozent aller Android-Apps grundsätzlich laufen können – gleichzeitig blockiert das System jedoch bewusst Browser, soziale Netzwerke und teilweise klassische Online-Dienste. Dabei kommt laut Hersteller eine zum Patent angemeldete Blockier-Technologie zum Einsatz. WhatsApp ist vorinstalliert und auch andere Messenger wie Signal oder Telegram werden unterstützt. Facebook, Instagram, Snapchat, Threads, TikTok, X, YouTube, Reddit, Kick, Twitch und Discord sind unter anderem mit diesem Handy nicht nutzbar.

Anders gesagt: Die Hardware wäre theoretisch zu mehr fähig, der Hersteller entscheidet aber absichtlich, welche Funktionen der Nutzer verwenden darf. Das mag zum Konzept des „Digital Detox“ passen, bedeutet aber auch, dass Käufer für Hardware bezahlen, deren Möglichkeiten künstlich eingeschränkt werden. Mithilfe von APK-Dateien soll es möglich sein, auch im CommStore nicht erhältliche Apps zu installieren. Browser und Social-Media-Apps sind aber grundsätzlich ausgeschlossen. Denn: „Callback ist in erster Linie als ruhigeres, bewussteres Telefon konzipiert“, schreibt der Hersteller auf seiner Webseite.

Der Preis macht das Gerät endgültig problematisch

Richtig schwierig wird die Sache beim Preis. Der Einstieg liegt bei erstaunlichen 499 US-Dollar, Sondereditionen kosten sogar bis zu 640 Dollar. In Europa starten die Preise bei knapp 436 Euro und enden bei bis zu knapp 559 Euro. Damit bewegt sich das Callback 8020 in Regionen, in denen Käufer problemlos ein modernes Mittelklassegerät oder sogar gebrauchte Oberklasse-Smartphones bekommen. Vorbestellungen sollen ab dem 30. Juni möglich sein, wer sich in die Warteliste eintragen lässt, kann später bei einer verbindlichen Bestellung 100 Dollar sparen.

Zum Vergleich – für weniger Geld gibt es Geräte mit:

  • deutlich schnelleren Prozessoren
  • AMOLED-Displays mit 120 Hz
  • 5G-Unterstützung
  • besseren Kamerasystemen
  • voller Android-Unterstützung
  • sieben Jahren Update-Versorgung bei manchen Herstellern

Beim Callback 8020 bekommt man stattdessen ein kleines Klapptelefon mit T9-Tastatur und bewusst eingeschränkter Software. Das muss man lieben, wenn man es sich leisten möchte.

Eigentlich kein Smartphone, sondern ein Sammlerstück mit Telefonfunktion

Das größte Problem des Geräts liegt im Marketing. Commodore verkauft das Callback 8020 als eine Art moderne Alternative zum Smartphone-Alltag. Tatsächlich ist es aber weder ein vollwertiges Smartphone noch ein klassisches, günstiges Feature-Phone.

Wer bewusst auf digitale Ablenkung verzichten möchte, bekommt ähnliche Geräte für einen Bruchteil des Preises. Wer moderne Smartphone-Funktionen benötigt, wird hier schnell frustriert sein. Am Ende bleibt das Commodore Callback 8020 primär eines: ein Lifestyle-Produkt für Fans der Marke.

Commodore Callback 8020 - Versionen
Fünf Versionen des Commodore Callback 8020 stehen zur Verfügung, Image source: Commodore

Fazit: Ein Gerät für Nostalgiker – aber kein vernünftiger Smartphone-Kauf

Das Commodore Callback 8020 lebt fast ausschließlich vom Mythos einer legendären Marke. Die Retro-Optik, klassische Klingeltöne im Stil des Commodore 64, vorinstallierte Spiele (inklusive Snake) und das Klappdesign sprechen gezielt Käufer an, die Erinnerungen an die goldenen Computerjahre der Achtziger und frühen Neunziger verbinden.

Als modernes Smartphone überzeugt das Gerät dagegen kaum. Die Hardware ist schwach, das Betriebssystem stark eingeschränkt und der Preis gemessen an der gebotenen Leistung schlicht schwer nachvollziehbar.

Smartphone-Shopping Symbolbild.

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Wer Commodore liebt, kauft hier ein nostalgisches Sammlerstück. Wer ein gutes Smartphone sucht, sollte sein Geld besser anders investieren. Der stärkste Eindruck nach der Präsentation lautet: Retro verkauft sich – aber Nostalgie allein rechtfertigt keine 500 Dollar für Technik, die in vielen Bereichen eher an 2018 als an 2026 erinnert. Gut gemeint, aber so sicher kein bahnbrechender Erfolg.

Autor

  • Sou criador do MdroidTech, especialista em tecnologia, aplicativos, jogos e tendências do mundo digital. Com anos de experiência testando dispositivos e softwares, compartilha análises, tutoriais e notícias para ajudar usuários a aproveitarem ao máximo seus aparelhos. Apaixonado por inovação, mantém o compromisso de entregar conteúdo original, confiável e fácil de entender