Als Amazon im Sommer 2022 die Preise für seine Prime-Mitgliedschaft um rund 30 Prozent anhob, schluckten Millionen Kunden den Ärger hinunter. Wer verzichtet schon gern auf den schnellen Gratisversand oder die Lieblingsserie am Feierabend? Doch der damalige Unmut hat sich inzwischen in einen juristischen Widerstand verwandelt.
Vor dem Oberlandesgericht Hamm wird derzeit verhandelt, ob sich der Tech-Gigant schlicht an den Geldbörsen seiner Nutzer bedient hat, ohne dafür die rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Die Verbraucherzentrale NRW hat eine Sammelklage eingereicht, und die Resonanz ist gewaltig: Bereits über 130.000 Menschen haben sich in das Klageregister eingetragen. Sie alle wollen ihr Geld zurück.
Illegale Preiserhöhung von Amazon? Mitmachen ist kostenlos
Viele Verbraucher scheuen solche Verfahren. Aus Angst vor Aufwand, Kosten oder Nachteilen. In diesem Fall ist die Sorge unbegründet:
- Kein finanzielles Risiko: Die Eintragung in das Klageregister beim Bundesamt für Justiz ist kostenlos. Das Prozesskostenrisiko trägt allein die Verbraucherzentrale.
- Kein bürokratischer Aufwand: Wer sich über den kostenlosen Klage-Check der Verbraucherzentrale NRW anmeldet, muss nicht selbst klagen. Im Erfolgsfall fließt das Geld direkt.
- Kein Kontorisiko: Über 130.000 Teilnehmer machen eine gezielte Sperre durch Amazon nicht nur rechtlich unzulässig, sondern praktisch undenkbar.
Der einzige echte Haken: Wer sich registriert, bindet sich an das Urteil. Das heißt: Verliert die Verbraucherzentrale, ist eine eigene Klage danach ausgeschlossen. Bei einem möglichen Erstattungsbetrag von bis zu 60 Euro, der mit Verfahrensdauer noch steigen kann, ist das ein überschaubares Risiko.
Warum die Klage Aussichten hat
Die Klage stützt sich auf ein Prinzip, das der Bundesgerichtshof bereits 2021 gegen die Postbank bestätigt hat: Unternehmen dürfen laufende Verträge nicht einseitig und ohne ausdrückliche Zustimmung der Kunden verteuern. Genau das wirft die Verbraucherzentrale NRW Amazon vor.
→ Kaum jemand weiß es: Das versteckt Amazon im Prime-Abo
Rückendeckung gibt auch das Instrument selbst: Es handelt sich um eine sogenannte Abhilfeklage, ein im deutschen Recht noch relativ neues Verfahren. Anders als bei früheren Musterklagen müssen Verbraucher nach einem Erfolg nicht mehr einzeln vor Gericht ziehen. Gewinnt die Verbraucherzentrale, fließt das Geld über einen gerichtlich bestellten Sachverwalter direkt an alle Registrierten.
Wer jetzt noch warten will, sollte es nicht
Wer auf eine schnelle Erstattung hofft, muss Geduld mitbringen. Amazon wird argumentieren, dass der Leistungsumfang von Prime seit 2022 gewachsen ist und die Erhöhung damit gerechtfertigt war. Verliert Amazon in Hamm, wird der Fall fast sicher vor den Bundesgerichtshof gehen. Bis zu einem endgültigen Urteil können zwei bis vier Jahre vergehen. Sollte es bei den 130.000 Klägern bleiben und Amazon müsste heute zahlen, würde das den US-Konzern fast 8 Millionen Euro kosten.
Deshalb ist am Ende ein Vergleich realistischer als ein jahrelanges Verfahren. Großkonzerne knicken häufig ein, wenn das Risiko einer Niederlage zu groß wird, und bieten registrierten Kunden eine Teilrückzahlung oder Gutscheine an. Wer sich jetzt noch nicht eingetragen hat, sollte das beim Bundesamt für Justiz nachholen: Der Aufwand ist minimal, das Risiko null. Und wer vor Sommer 2022 Prime-Kunde war, hat schlicht nichts zu verlieren.
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