E-Scooter leihen, um den Zug zu bekommen – warum das vielerorts nicht funktioniert

E-Scooter leihen, um den Zug zu bekommen – warum das vielerorts nicht funktioniert

Feierabend. Tschüss Büro, auf nach Hause. Doch zunächst muss ich zum Zug. Zu Fuß schaffe ich es nicht mehr. Kein Problem, schließlich steht ein E-Scooter von Dott um die Ecke. Den schnappe ich mir und drücke ordentlich aufs Gas. Eine kleine Ewigkeit später ist der Bahnhof nur noch wenige Schritte entfernt und ich habe sogar noch ein paar Minuten über. Ein Sieg für mich und die Mikromobilität? Nicht ganz. Denn plötzlich lässt sich der E-Scooter nicht abstellen. „Parkplatzlimit erreicht – suche einen anderen Parkplatz“, heißt es in der App. Was ist jetzt schon wieder los?

Was Fahrer nicht über die E-Scooter-Abstellzonen wissen

Immer mehr deutsche Städte und Kommunen wechseln vom sogenannten Free-Floating-Modell zu ausgewiesenen Parkzonen. In solchen Regionen dürfen Nutzer Leih-Scooter nur in virtuell oder physisch markierten Abstellflächen parken. Wer seine Fahrt willkürlich beenden möchte, wird schnell feststellen, dass es nicht möglich ist. Denn das lassen die verschiedenen E-Scooter-Apps nicht zu. Will man die Fahrt beenden, muss man sich notgedrungen zum nächstgelegenen Parkplatz begeben. Alles halb so wild, wäre da nicht ein großer Haken.

Was viele E-Scooter-Fahrer nicht wissen: Genauso wie echte Parkplätze haben auch die Abstellflächen für E-Scooter eine begrenzte Kapazität. Und dabei spielt es keine Rolle, ob physisch noch mehr als genug Platz vorhanden wäre oder nicht. Befindet sich bereits mehr als eine bestimmte Anzahl an E-Scootern vor Ort, lassen sich weitere Tretroller nicht mehr abstellen.

Darüber hinaus variieren die maximalen Kapazitäten je nach Größe der Parkzone. Und außerdem spielt auch eine Rolle, von welcher Marke der E-Scooter ist. In meinem Fall war die Parkfläche für zehn Dott-Scooter ausgelegt. Für Bolt-Fahrer galt der Parkplatz dagegen bereits nach drei E-Scootern als voll. Obwohl physisch eigentlich noch deutlich mehr Roller in die markierte Fläche gepasst hätten.

Parkplatz-Zeichen für E-Scooter
Immer mehr Städte führen Parkplätze für E-Scooter ein Image source: Artem Sandler / inside digital

Nutzer gezwungen, den Zielort vor jeder Fahrt zu überprüfen

Die Parkplatz-Regelung soll grundsätzlich verhindern, dass E-Scooter im Weg stehen oder dem Stadtbild schaden. Gut gemeint, jedoch hat das Vorgehen auch Schattenseiten. Denn nun sind Nutzer gezwungen, die Karte in ihrer App noch vor Fahrtbeginn nach einer freien Parkzone abzusuchen. Tun sie dies nicht, könnte die Ziel-Abstellfläche bereits voll sein. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass man seinen Zug verpasst oder einen Termin nicht einhalten kann. Ferner können zusätzliche Kosten anfallen, wenn Fahrer zuerst nach einer nahegelegenen freien Abstellzone suchen und sich anschließend dorthin begeben müssen. Schließlich passt das Sprichwort „Zeit ist Geld“ selten so gut wie im Falle von Leih-Scootern.

Wir haben uns bei den Anbietern von Dott und Bolt unter anderem ob der Häufigkeit voller Abstellflächen und einer Möglichkeit für Fahrer erkundigt, sich in solchen Situationen abzusichern oder zusätzliche Kosten zu vermeiden. Beide Unternehmen haben bis zum Redaktionsschluss nicht auf unsere Anfragen reagiert.

Unterm Strich wirkt das aktuelle System wie ein Kompromiss zulasten der Kunden. Selbst wenn sie sich vor Fahrtantritt über freie Plätze am Zielparkplatz informieren, kann es durchaus passieren, dass die Maximalkapazität kurzfristig durch einen weiteren Nutzer erreicht wird. Sich dagegen abzusichern, ist kaum möglich.

In meinem Fall ist eine Alternative schnell gefunden: ein Fahrrad für 30 Euro, das strategisch zwischen dem Bahnhof und dem Büro platziert wird. Und schon ist das Problem abgehakt.

Parkplatz-Schild

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  • Sou criador do MdroidTech, especialista em tecnologia, aplicativos, jogos e tendências do mundo digital. Com anos de experiência testando dispositivos e softwares, compartilha análises, tutoriais e notícias para ajudar usuários a aproveitarem ao máximo seus aparelhos. Apaixonado por inovação, mantém o compromisso de entregar conteúdo original, confiável e fácil de entender